"Das ist alles das gleiche!“
Bundeslehrgang in Bad Malente mit Karl Köppel vom 27.02. bis 01.03.2009
|
Normalerweise verspricht solch ein Motto weder viel Spaß noch viel Interessantes. Damit liegt man aber diesmal völlig schief. Der Bundeslehrgang, der vom 27.2. bis zum 1.3. 2009 mit Bundestrainer Karl Köppel im Sport- und Bildungszentrum des LSV Schleswig-Holstein in Bad Malente-Gremsmühlen stattfand, hatte nämlich „Bewegungsverwandtschaften“ als Thema. Hoffnungslos überbucht war der Lehrgang. Schön, dass ich mit meinen Vereinskollegen einen der begehrten Plätze ergattern konnte, lockten doch das Thema, Karl, den man im Norden halt nicht ganz so häufig antrifft, sowie der Umfang von vier „Trainingseinheiten“. Über neun Stunden Training umfasste unser Pensum. Da taten wirklich jedem alle Glieder und Knochen weh. Mein gefühltes Alter stieg im Laufe des Wochenendes von 80 auf 92... Das tolle Training aber zog uns einfach alle in den Bann. Karl machte deutlich, dass sich im Prinzip alle Techniken auf Shihonage oder Iriminage bzw. die Bodenhebel auf Ikkyo, sprich Ude-Osae zurückführen lassen. Karl zeigte eine Fülle an Kombinationsmöglichkeiten auf technisch hohem Niveau. Besonders schön war aber, dass er die Techniken und Kombinationen hervorragend vermittelte. Bei seinen treffenden Analysen ging mir ein Licht nach dem anderen auf. Besonderen Wert legte Karl auf ein überzeugendes Uke-Verhalten. Der Angriff muss konsequent und natürlich ausgeführt werden. Darauf muss Nage besonders im Bereich der Waffenarbeit mit absolut sicherer Führung und Kontrolle reagieren. Z.B. bei Messertechniken kann man sich keine Lücke in der Führung leisten. Karl legte dar, dass man Fassangriffe auch so verstehen kann, dass Uke nach der Waffe, die man führt, greift. Je nachdem, in welche Richtung sich Uke bewegt, entstehen bestimmte Techniken. So entwickelt sich Nikkyo Irimi aus Ikkyo Irimi, wenn Uke den Griff etwas löst. Aus Ikkyo entwickelten wir dann je nach Ukeverhalten die ganze Palette der Bodenhebel. In diesem Zusammenhang fiel dann auch der im Titel angeführte Satz. Spannend fand ich den Wechsel zwischen der Arbeit mit der Waffe und ohne Waffe. Fast spielerisch wechselte Karl hier zwischen den Ausführungen und seine Ukes hatten ordentlich zu tun -sprich zu fliegen. Letztlich gab es so viel interessanten Input, dass wir wochenlang werden üben können, um dies alles aufzuarbeiten. Höchst angenehm war, dass Karl in seiner bescheidenen Art ganz die Sache in den Mittelpunkt stellte und sich als Person quasi zurücknahm. Er ging unermüdlich umher, korrigierte freundlich und unaufdringlich und lobte sogar. Nicht nur ich, sondern alle Lehrgangsteilnehmer, mit denen ich sprach, waren also angetan von der Qualität des Trainings. Nur in einer Hinsicht wurde ich enttäuscht. Ich hatte mir in Erinnerung ans Horn einen kleinen Kurs „Schwäbisch für Aikidoka“ auf der Matte erhofft. Aber Karl sprach so perfekt hochdeutsch, dass man absolut alles verstand und Berthold Krause nicht als „Übersetzer“ zum Einsatz kommen durfte. Als Ersatz hat Berthold, einer unserer Exilschwaben und Zentraltrainer, nun versprochen, sein nächstes ZT auf schwäbisch zu halten. Ich freue mich schon drauf. Außerdem werden wir Karl im Dezember wieder in Lübeck zu einem Lehrgang begrüßen können. Spätestens dann heißt es wohl hoffentlich wieder: „Das ist alles das gleiche.“ Frauke Drewitz, Sachbearbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit des AVSH
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Fotos: Ulrich Schümann |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||