Die Vielfalt des Aikido

Landeslehrgang mit Heike Bizet, 3. Dan, in Bad Malente-Gremsmühlen

 

In malerischer, winterlicher Landschaft fand der letzte Aikido-Landeslehrgang des Jahres 2010 vom 26. bis zum 28. November in der Sportschule des LSV statt. Als Lehrerin hatten wir Heike Bizet aus Frankfurt/M., Inhaberin des 3. Danes und der Aikido-Trainerlizenz B, gewinnen können. Heike ist übrigens die Tochter des Bundestrainers Alfred Heymann und seiner Frau Edith, die beide ja auch im letzten Jahr in Malente zu erleben waren. Heike wurde von ihrem Mann Eric begleitet und blieb auch in dieser Hinsicht somit ganz in Familientradition. J

Heike gestaltete das gesamte Training in vitaler persönlicher Ausstrahlung strukturiert, fordernd und spannend. Für Anfänger und Fortgeschrittene war bei der Grundlagenarbeit, der wir uns widmeten, etwas dabei. Viele Jugendliche waren gekommen, besonders auch viele Mädchen, die eine weibliche Lehrerin anscheinend besonders interessant finden. Als Physiotherapeutin zeigte Heike zudem einen professionellen Blick für all die Bewegungs- und Haltungselemente, die im Aikido gesund sind. So erfuhren wir eine Menge darüber, wie viele anatomisch gesunde – weil sinnvolle – Bewegungen das Aikido aufweist. Aus einer Aufwärmübungen, die an Rückschule erinnerten und zur Kräftigung der Muskulatur dienten, entwickelte sie fast spielerisch eine Überleitung zu Techniken, mit denen selbst zart besaitete Wesen 90 Kilo Angreifer über die Matte schieben konnten. „Gewusst wie“ ist alles.

An den Technikbeispielen Shiho-nage, Ude-osae und Kokyo-nage entwickelte Heike mit deutlicher eigener Körpersprache die Grundlagen für Körperhaltung und Tegatana, den wichtigsten Voraussetzungen, um „Angreifer“ mit Aikido-Techniken führen zu können.

Am Samstagvormittag nahmen wir den Stab zu Hilfe, übten die verschiedenen Schläge und das Einhalten der richtigen Distanz (Ma-Ai). So ein Stock in den Rippen tut schon weh. Der Stab ist somit nicht nur ein interessantes Trainingswerkzeug, sondern auch ein methodisches Mittel zum Erlernen und Verinnerlichen der richtigen Distanzen. Der Samstagnachmittag stand ganz im Zeichen des Randori. Für mich als Trainerin war es spannend zu sehen, wie sie die methodische Reihe aufbaute. Zuerst kombinierte Heike eine Technik mit verschiedenen Angriffen, dann nur einen Angriff und verschiedene Techniken. Dazu arbeiteten wir in wechselnden Gruppen. Zum Schluss übten wir das Randori in einer kreisförmigen Aufstellung, so dass Nage sich sehr spontan auf neue Richtungen einstellen musste. Da ging es richtig zur Sache und für viel Nachdenken war da keine Zeit mehr. Da kam man ganz schön ins Schwitzen.

Ein besonderes Schmankerl war die Massageeinheit am Abend. Heike führte uns in die Technik der Tuina-Massage ein. Tuina ist eine uralte chinesische Massageform, die dem japanischen Shiatsu ähnlich ist und es in sich hat. Hierbei orientiert man sich mit seinen massierenden Händen an den „Meridianen“, den unsichtbaren Punkten und Bahnen, die im menschlichen Körper Verbindungen aufzeigen und deren Beeinflussung bestimmte Wirkungen hervorrufen. Tief entspannt lauschten wir Heikes Anweisungen und genossen die „heilenden Hände“ unserer Trainingspartner. Alex hatte sich also schon Wochen berechtigterweise auf diese Einheit gefreut.

In der letzten Einheit am Sonntag widmete Heike sich Messertechniken. Diese stehen im Prüfungsprogramm zwar erst an später Stelle, jedoch ist das Training mit (Holz-)Messern nicht nur abwechslungsreich und spannend, sondern auch methodisch sinnvoll, weil ein Angriff mit dem Messer vom Nage ganz anders wahrgenommen wird und dieser sich viel aufmerksamer und konzentrierter verhält.

Nach dem Training am Sonntag früh fuhren dann alle Teilnehmer durch die winterliche Landschaft nach Hause. Wieder mal ein gelungener Lehrgang. Es lohnt sich halt nach Malente zu kommen. Und Heike können wir auch nur weiterempfehlen.

 

Frauke Drewitz, SinÖ AVSH

 

 
 
 
 
 
 
         
         
         

Fotos: Ulrich Schümann

 

 

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