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Jorma Lyly in Schleswig-Holstein


Mitten im ungemütlichen November (18./19.11.2017) besuchte Jorma Lyly (6. Dan) aus Stockholm, Schweden, die Kaltenkirchener Turnerschaft für ein Wochenend-Seminar. Eine wunderbare Mischung aus Bokken-Arbeit und einem weichen Aikido füllte die gemeinsame Zeit auf der 260 m² großen Mattenfläche.

Jeder Lehrer besitzt seine eigene Art, seinen eigenen Stil, der bei Jorma gleich zu Beginn deutlich wurde. Wir bewegten uns mit viel Energie, mit Schwung und Elan, doch es gab kein krampfhaftes Ausprobieren, kein unbedingtes Bemühen-Müssen oder Verzweifeln über das eigene Nicht-Gelingen. Jorma strahlte eine innere Ruhe und Gelassenheit aus, die sich unweigerlich auf jeden Mittrainierenden übertrug. Sein stilles Vergnügen an neuen Herausforderungen, die ihm auch durch Anfänger immer wieder gestellt wurden, quittierte er mit einem Lächeln oder einer trockenen Bemerkung, die er in seinem unvergleichlichen Englisch-Deutsch-Mix begleitete. Seine Übungen besaßen nicht immer einen offiziellen Namen, den der Trainierende in einem Verzeichnis wiederfinden könnte. Oftmals stand die Vermittlung eines Gefühls, eines sich in eine Bewegung Hineinfühlen-Könnens, die einem Betrachter das Formschöne in der Kampfkunst augenscheinlich werden ließen, im Vordergrund: Hände, die mit ihren Fingerspitzen das Ende des Zentrums markierten, Drehungen mit der Hüfte, die dem Nachdruck verliehen oder auch das Fortführen und Aufzeigen des zwingenden Charakters einer Bewegung. 

Am Ende jeder Übung stand das intuitive Erfassen und Verinnerlichen mit dem Körper. Obwohl der große Raum seinen Turnhallen-Charakter nicht verstecken konnte, entstanden immer wieder fast familiäre Momente des Aufnehmens. Jorma kniete oder stand in der Mitte und die über 50 Mittrainierenden saßen beobachtend um ihn herum. Es gab kein vorn und hinten, es gab nur ein gemeinsames Sich-um-den-Mittelpunkt-scharen. Er nahm sich die Zeit alle mit in diesen Moment einzubinden! Mit einem belustigten Gesichtsausdruck und einem Fingerzeig holte er selbst die hinter anderen Versteckten hervor, um ihnen das Gefühl der Übung vermitteln zu können - aus tiefster Überzeugung, dass das Fühlen vor dem Lernen erfolgen müsse. Mit einer fast unermüdlichen Energie wiederholte er bei jedem Einzelnen die Abfolgen. Es ist ein Unterschied, ob ich als sein Nage die Weichheit der Ausführung und das Fallenlassen in das eigene Zentrum kennen gelernt habe oder nicht. Es ist zudem ein Unterschied, ob meine angespannt hochgezogenen Schultern etwas ausführen wollen oder ob die Bewegung ohne Anstrengung aus dem Zentrum erfolgt! Genau diese Unterschiede ermöglichten das wirkliche Erfassen und das Erinnern.

Jorma erklärte, dass die Hände die natürliche Bewegung begleiten und im Grunde überhaupt nicht selbst agieren würden. Im ersten Moment ist dies für den rational Denkenden ein schwer zu verstehender Hinweis. Um etwas zu begleiten, benötige ich das „Sehen“ eines Weges, der mir die Richtung weist. Wohin soll mich also Jormas Hinweis führen? Im übertragenden Sinne nimmt mich dann das Erfühlen an die Hand und lässt überhaupt keine Zweifel zu. Deshalb ging Jorma mit seiner ihm eigenen Ruhe durch die Probierenden, um ihnen diesen Weg zu zeigen, den sie eigentlich schon von ganz allein kannten.

Dies waren zwei wunderbare Tage voller Trainieren, Rollen, Lachen und einem immer wieder In-sich-horchen, um den eigentlich schon hell erleuchteten Weg im Inneren einer Bewegung zu sehen. Es war ein Vergnügen diese Tage mit Jorma verbringen zu dürfen! Wir freuen uns jetzt schon auf ein erneutes Zusammentreffen hier in Kaltenkirchen! Wir sehen uns auf der Matte! 

Christine Behrens
Kaltenkirchener Turnerschaft

Lehrgang mit Alfred Haase in Malente


Für das zweite Novemberwochenende hatte der AVSH zu einem Landeslehrgang mit Alfred Haase eingeladen, der im Oktober seinen 5. Dan erworben hatte und zu dem Thema Führung und Kontakt die drei Trainingseinheiten der beiden Tage gestaltete.

Alfred zeigte, dass Führung und Kontakt vielschichtige Aspekte im Aikido betreffen und er verdeutlichte zunächst, dass der Uke bei der Ausführung einer Technik nicht zum Opfer wird. Er opfert sich nicht und wird auch nicht zum Opfer gemacht, sondern es entsteht eine beständige Interaktion zwischen Uke und Nage ab dem Zeitpunkt des Kontaktes durch den Angriff von Uke bis zum Abschluss der Technik durch Nage.

Indem Uke und Nage eine korrekte Position nach der Einleitung des Angriffes einnehmen, entsteht zunächst eine Pattsituation, die Nage zu seinen Gunsten auflöst und Uke zu einem toten Punkt führt, nach dessen Erreichen Uke das Gleichgewicht und die Kontrolle über sich endgültig verliert.

Anhand des Ushiro-Angriffes erläuterte Alfred exemplarisch, dass Nage es in der Hand hat, mit der Öffnung der Pattsituation Uke zu motivieren, den Angriff entlang des Rückens von Nage weiter fortzusetzen. Der Uke läuft mithin nicht mehr an der Rückseite seines Trainingspartners entlang, weil der Übungsleiter dies vorgibt, vielmehr erfolgt mit der Kontaktaufnahme und der Führung durch Nage gleichsam eine Einladung an Uke, diese Angriffsrichtung zu verfolgen, die dann in der entsprechenden Technik aufgeht.

Diese Führung gelingt insbesondere dann, wenn Uke seine mit dem Angriff verfolgte Intention nicht mehr aufgibt und seinerseits stets sinnvoll gegenüber Nage agiert.

Die Führung als Einladung zu einem weiterhin zielgerichteten Handeln von Uke kann ohne Krafteinsatz und damit, wie Alfred zeigte, durchaus „freundlich“ erfolgen. Diese konsequente, aber nahezu kraftlose Führung ermöglicht die gleiche Ausführung der Techniken auch bei erheblichen Kraft- und Masseunterschieden zwischen Uke und Nage. Für einen alten Judoka wie mich, aber auch für andere ist das Fortlassen des Krafteinsatzes indes eine beständige Herausforderung, die über den Lehrgang hinausgeht.

Da die Ernsthaftigkeit des Angriffes bei den Angriffen durch Uke häufig nicht so deutlich erkennbar wird, hat Alfred das Schwert (Bokken) hinzugenommen, um einerseits Uke zu einem konsequenteren Angriff zu motivieren, z.B. um das Ziehen des Schwertes durch Nage zu verhindern und andererseits Nage die richtige Position zur Übernahme der Führung aufzuzeigen.

Aus manchem Fragezeichen wurde bei den Teilnehmern schnell ein Ausrufezeichen und es zeigte sich, dass bei diesem Verständnis von beständigem Kontakt und nahezu kraftloser Führung sich bei den bekannten Techniken interessante Varianten in der Ausführung ergeben, dies zeigte Alfred insbesondere an dem Kaiten-nage-uchi, dem Ude-garami und in Kokyu-nage-Ausführungen.

Die Trainingszeiten vergingen damit rasch und der rege Austausch am Samstagabend rundete den ganzen Lehrgang ab. Sonntagmittag waren zum Abschluss des Trainings alle darin einig, dass die Aspekte von Kontakt und kraftloser Führung auch in den Dojos zu Hause weiter vertieft werden sollen.

Christian Putschäw
Bramfelder SV

Fotos: Ulrich Schümann

BWL III in neuer Konzeption


Vom 20. bis 27. September 2017 fand der Bundeswochenlehrgang III in neuer Konzeption statt. Es sollte nicht wie in der Vergangenheit nur Frontalunterricht geben, sondern auch Techniken in Workshops bearbeitet werden.

Voller Spannung fuhr ich daher zu diesem Lehrgang. Das erste Training gestaltete unser Bundestrainer Hubert Luhmann nochmal als Frontalunterricht. Aber dann ging es los, die nächsten Trainingseinheiten wurden als Workshops  gestaltet.

Es wurden Techniken und Angriffe gemeinsam ausgesucht. Danach bildeten die 24 Teilnehmer immer wieder verschiedene Teams, in denen die Eingänge sowie die Besonderheiten jeder Technik ausgearbeitet wurden. Die Ergebnisse der Gruppenarbeiten wurden dann jeweils vor allen Teilnehmern präsentiert und abgeglichen. Dabei war es egal, welchen Dan man hatte: Alle Teilnehmer (vom 2. bis 7. Dan Aikido war alles vertreten) wurden gleichwertig behandelt und angehört – gerade das fand ich besonders gut am Lehrgang. Die höheren Dane glichen sich auch immer ab, welchen "Ausführungs-Korridor" sie bei Dan-Prüfungen akzeptieren.

Hubert wird die Ergebnisse des Lehrganges der Technischen Kommission des DAB bei der nächsten Sitzung 2018 vorstellen.

Ein großes Dankeschön an Dirk Bender und Hubert Luhmann für die gute Organisation. Dieser Lehrgang war mehr als gelungen.

Detlef Voss
Aikido-Club Lübeck

Samurai Camp 2017


In diesem Jahr wurde der Start des Zeltlagers von Hoffen und Bangen begleitet. Würde das Wetter in den nächsten sechs Tagen besser werden oder weiterhin so unberechenbar bleiben wie in der Zeit davor? 21 Vereine aus ganz Deutschland mit insgesamt 76 Aikidoka waren im Camp vertreten. 28 Aikidoka zählte die Altersgruppe 9 – 13 Jahre, 29 die Altersgruppe 14 – 16 Jahre und 11 Aikidoka 17 – 18 Jahre (2 Teilnehmer und 7 Teamer/-innen jenseits dieser Grenzen, wobei eine Betreuerin im Kreis der 18-Jährigen enthalten ist.

Die Teilnehmenden kamen aus Nordrhein-Westfalen (9), aus Hessen (10), aus Niedersachsen (9), aus Hamburg (8), aus Sachsen (4), aus Mecklenburg-Vorpommern (3), aus Baden-Württemberg (1) und 32 aus Schleswig-Holstein. Der Verein aus Hohenwestedt stellte einmal wieder von der Vereinsstärke her den größten Verein, nämlich 12 Aikidoka. 34 weibliche standen 43 männlichen Aikidoka gegenüber. Insgesamt wurden 11 Zelte belegt, zwei von den Teamern und neun von den Teilnehmenden. Ein weiteres Zelt wurde für allgemeine Vorbereitungen sowie für das Werwolf-Spiel bereitgehalten. Zeitweise konnten die Pavillons, in denen gegessen, aber auch das Bergfest gefeiert wird, genutzt werden.

Nach Ankunft in Scharbeutz am Freitag, dem 28. Juli 2017, Mittagessen und Einweisung ins Camp, ging es erst einmal an den Strand. Nach dem Motto "kein Regen ist Sonne genug" genossen die Kinder und Jugendlichen Strand, Sand und Ostsee. Und tatsächlich zogen die ganz dunklen Wolken nördlich und südlich an uns vorbei. Das Camp war damit offiziell eröffnet. Natürlich ist das Samurai Camp ein Aikido- bzw. Sport-Camp. Deshalb wurden sechs anspruchsvolle, aber hochinteressante Trainingseinheiten mit einer unterschiedlichen Anzahl an Stationen durchgeführt. Dabei wurden auch Techniken gezeigt und geübt, die nicht zum Standard-Aikido gehören. Diese Abwechslung wurde von den Aikidoka begeistert aufgenommen. Natürlich gab es auch Zeit zur freien Verfügung, um eigene Interessen ausleben zu können, Kontakte zu anderen Teilnehmern aufzubauen oder zu vertiefen und auch, um Spiele selbstständig anzuleiten und zu spielen.

Zusätzlich gab es jedoch eine ganze Reihe von Workshops, u. a. Schminken, innere Motivation, Schlagfertigkeit, gesunde Ernährung, Tugenden der Samurai, Origami, Kalligraphie, Yoga, Tischtennis, Stock-Kampf, Gurt oder Knoten binden, Gipsmasken anfertigen, Slacklining, Ballspiele und Schach.

Die obligatorische Camp-Olympiade durfte natürlich auch nicht fehlen. Das jeweils älteste Jungen- und Mädchenzelt baute neun Stationen auf und führte die Disziplinen durch. Sieben Teilnehmerzelte waren hoch motiviert und kämpften voller Eifer um jede Disziplin und um den Gesamtsieg. Das älteste teilnehmende Jungenzelt hatte sich, wider Erwarten, auf einen Sieg eingestimmt. Es kämpfte verbissen um jeden Zentimeter, Liter, Ball oder Durchgang. Tatsächlich konnte es schließlich den Gesamtsieg für sich verbuchen, dicht gefolgt vom zweitjüngsten Mädchenzelt, für das auch einige Wattenbekerinnen gekämpft hatten. Und da wir endlich mal richtig Sonne hatten, blieben wir gleich unten am Strand, so dass alle zu Gewinnern wurden.

Der letzte und größte Höhepunkt war wie immer der Hansa-Park. Eine kurze Anfahrt mit dem Bus, und der Spaß konnte beginnen. Ob Kettenkarussell, Wasserrutsche, Fluch von Novgorod, der Schwur des Kärnan, Hai oder Barracuda Slide oder Blumenmeer-Bootsfahrt, alle konnten etwas finden, das ihnen Spaß machte. Dass sich eine halbe Stunde vor Ende der Regen wieder in Erinnerung brachte, konnte die Freude auch nicht mehr trüben. Wer gerüstet war für den Super Splash, dem konnte ein bisschen Regen nichts anhaben. Wie im Fluge war die Zeit schon wieder um.

Im Anschluss an den Hansapark gab es noch einmal das geliebte Grillen, wobei anfangs noch überhaupt nicht klar war, ob es trocken bleiben würde. Jedoch war uns der Wettergott einmal wieder gnädig. Am späteren Abend wurde noch einmal kräftig getanzt, um so auch das diesjährige Camp würdig zum Abschluss zu bringen.

Am nächsten Morgen hieß es Packen, Zelte in Ordnung bringen, Geschirr und Besteck zählen und Abreise. Das große Verabschieden begann, immer in der Hoffnung, sich im nächsten Jahr an gleicher Stelle wiederzusehen oder (im elektronischen Zeitalter) den Kontakt aufrecht halten zu können. Vielen Dank an alle Teilnehmer/-innen und Teamer für ein tolles Samurai Camp 2017. Es hat – auch nach 15 Jahren – wieder Spaß gemacht.

Lilo Schümann
Jugendleiterin des AVSH